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Beitragvon BLURT » Mo 23. Sep 2013, 21:45

Bin heute morgen aufgewacht und fand es nicht schlimm, dass das verloren hat, was ich gewählt habe. Später am Tag habe ich mich gefragt, ob das traurig ist. Oder auch schon egal. Denke, die Merkelrepublik hat auch mich schon verändert. Es gibt keine Gegner mehr. Alles ist Pudding geworden. Alles hat sein Auskommen und kommt irgendwie klar. Wer nicht schwul ist, bekommt Kinder. Wer rechtsradikal ist, zündet halt einen Türken an. Wer sich nicht einordnen lässt, lässt sich abhören oder anspucken. Zur Not von Moslems.
Wo ist jetzt das Problem? Kann doch jeder nach seiner Facon glücklich werden hier und menschliche Abenteuer absolvieren wie es ihm beliebt. Kann heiraten oder einen Barhocker benutzen und den abwetzen bis der Nächste kommt.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Heißt natürlich auch, jeder ist die ärmste Sau, wenn er ein Problem hat.

An meiner eigenen Reaktion auf dieses Wahlergebnis, weitere 4 Jahre Mutti, merke ich, wie kalt mir meine Seele geworden ist.
Bei "Rote Rosen" singt es im Vorspann immer "Es wird was passiern", davon gibt es wohl inzwischen über 2000 Folgen. Genau die gleichen Armleuchter, die solche Soaps schauen, in denen was passieren wird, wählen dann eine Angela Merkel, um das Gefühl behalten zu können, dass im wahren Leben hoffentlich gar nichts passiert. Auch ich führe mein Leben. Das Desinteresse von solchen Politikern an Politik ist trotzdem schwer zu ertragen. Aber es bekommt fast absolute Mehrheit. Von Bayern ganz zu schweigen. Das ist ja da eine neue Lederhosen- und Dirndlfolklore, wo eh jedes Gegenargument nach Unterhose ausschaut. Über Politik braucht man sich mit solchen Superbayern eh nicht mehr unterhalten in Deutschland. Kriegen sie halt die Maut für Ausländer und machen weiter, was sie am besten können, Inzest all über die Dörfer und Mia san Mia.

Mir glangts. Und sehr fern ist die Zeit, wo meine Musik noch lief. Zum Beispiel: "Keine Schönheit ohne Gefahr" von den Einstürzenden Neubauten, was dieses Thema jetzt angeht.
Sie stört mich nicht weiter, diese Republik, aber mein Land ist das nicht mehr. Angela Merkel hat das in einer Weise banalisiert, wo ich sage, für sowas bin ich mir zu schade. Schmerzt trotzdem etwas, wenn man erkennt, dass gegen solch dominantes Mittelmaß offenbar kein Kraut gewachsen ist.
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Beitragvon Maxvonthane » Di 24. Sep 2013, 08:33

Ich bin da einfach Realist und muss sagen, weder wundert mich das Ergebnis in irgend einer Art und Weise - noch hätte ich Grund wirklich am Boden zerstört zu sein, weil meine Partei nicht im Bundestag ist.
Das ist Demokratie und wenn es zwei Dinge gibt für die ich politisch absolut eintreten kann dann ist das Demokratie und Meinungsfreiheit!
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Beitragvon micklas » Di 24. Sep 2013, 12:22

Mich stört generell, dass sich die meisten Leute einfach zu wenig über Inhalte informieren, sondern nach Sympathie entscheiden. Mutti wird es schon machen, Mutti ist so schön bodenständig, Mutti hat eine tolle Halskette.

Es wird über Banalitäten diskutiert, dass einem das Grausen kommen könnte, siehe populistische Ausländermaut (ich bin übrigens auch für ein Pickerl) oder Merkels Halskette.

Wichtige Themen wie Vorratsdatenspeicherung, Energiewende, Veralterung der Gesellschaft und demensprechende Rentenpolitik sind praktisch nicht vorgekommen. Sogar die Europapolitik wurde komplett vernachlässigt.

Natürlich auch dumm von den Grünen, wieder einen auf halbe Linkspartei zu machen anstatt bei den Kernkompetenzen zu bleiben = Energiepolitik, Umwelt.

Ich bin nur über drei Sachen froh: 1. dass es die AfD nicht geschafft hat, 2. dass es die FDP endlich zerbröselt hat und 3. dass Mutti nun doch nicht allein das Sagen hat.

Übrigens: seit 12 Jahren verfolge ich jeweils die Hochrechnungen bei ARD, ZDF und RTL - RTL (Forsa) blieb damals als einziger Sender bei der Meinung, dass Stoiber nicht Kanzler würde und war heuer der einzige Sender, der nie eine absolute Mehrheit für Merkel in einer Hochrechnung hatte. Bin kein RTL Fan aber das finde ich schon bemerkenswert.
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Beitragvon Maxvonthane » Di 24. Sep 2013, 14:08

Das ist wie bei der Bild mit RTL, dumme Schlagzeilen von ziemlich schlauen Leuten.
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Beitragvon micklas » Di 24. Sep 2013, 14:42

Maxvonthane hat geschrieben:Das ist wie bei der Bild mit RTL, dumme Schlagzeilen von ziemlich schlauen Leuten.


In diesem Fall waren die Schlagzeilen ja sogar richtig - im Gegensatz zu ARD und ZDF. Scheinbar erwischt Forsa bei den repräsentativen Umfragen und Prognosen immer wieder den besten Durchschnitt
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Beitragvon BLURT » Di 24. Sep 2013, 18:25

Was soll die SPD jetzt eigentlich machen? 3 Möglichkeiten haben sie und alles sind Arschkarten.
Große Koalition macht sie zur Splitterpartei, weil dann Grüne und Linke bei der nächsten Wahl die SPD unter 20 Prozent drücken, bei Verweigerung der großen Koalition wird der SPD die Schuld gegeben fürs Scheitern der Verhandlungen, macht ebenfalls unter 20 Prozent, und die dritte Möglichkeit, Verhandlungen mit der Linken, wäre Wortbruch.
Neuwahlen würde ich als SPD sowieso auf keinen Fall riskieren. Dann wäre die FDP auf jeden Fall wieder drin mit den neuen Leuten Christian Lindner, Lasse Becker und Wolfgang Kubicki (wenn die FDP schlau ist, sind das ihre neuen Galionsfiguren, da wäre die FDP sogar für mich wieder eine Option).
Die SPD muss mitspielen. Schuld ist sie selber. Den Natoaustritt und so Zeugs hätte sie den Linken bei etwaigen Koalitionsverhandlungen locker ausreden können, aber nein, sie haben lieber zusammen mit der CDU/CSU den Untergang des Abendlands beschworen.
Ich als SPD würde mit einer Maximalforderung in die Koalitionsverhandlungen gehen. Dass nach der Hälfte der Legislaturperiode entweder Neuwahlen sind oder intern die Kanzlerschaft wechselt. Ansonsten: dieses Bündnis notgedrungen eingehen und schnellstmöglich wieder platzen lassen. Denn Weichen gestellt für die Zukunft werden unter einer Kanzlerin Merkl ja mit Sicherheit weiterhin nicht.
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Beitragvon Maxvonthane » Mi 25. Sep 2013, 08:52

Ich denke es wird wie von Nikolaus Blome erwartete Große Koalition, die 2 Jahre die wenigen Gemeinsamkeiten abarbeitet und sich dann nach 2 Jahren in Neuwahlen wieder auflöst (oder evtl dann ein Partner es dann doch 2 Jahre mit den Grünen oder mit den Grünen und den Linken versucht).
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Beitragvon BLURT » Mi 25. Sep 2013, 17:58

Die neueren Theorien vom Nikolaus kenne ich nicht. Vor einigen Wochen hat er mit der Theorie aufgetrumpft, dass Angela Merkel mit Sicherheit nach 2 Jahren übergeben wird. Natürlich an einen Kronprinzen aus der eigenen Partei (bzw. Kronprinzessin). Schon allein wegen Kanzlerbonus in 4 Jahren wird sie keinen überparteilichen Kanzlerwechsel innerhalb einer großen Koalition machen.
Glaube aber, Nikolaus Blome täuscht sich. Unterschätzt die Kanzlerin. Erst wird sie Helmut Kohls 16 Jahre einholen und dann überholen wollen, anschließend will sie Vladimir Putin politisch überleben, der angekündigt hat, dass er 2017 erneut kandidiert.
Ich werde mich dran gewöhnen, über die erste Hälfte meiner ersten Lebenshälfte war Kohl, die zweite wird mir die Merkel ausfüllen. Man ist dankbar, dass man keinen Krieg miterlebt hat, hofft aber in meiner Generation trotzdem, dass es sowas wie Wiedergeburt geben möge. Weil das jetzt einfach politisch viel zu langweilig war, was man hier erdulden musste. Immerhin, ich war in Wackersdorf damals und am 1.Mai 87 dabei, als Bolle brannte. War auch alles ein ganz schöner Blödsinn, muss man im Nachhinein leider sagen. Aber schön.
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Beitragvon Bene » Mi 25. Sep 2013, 19:18

Diese Langeweile in der Politik, die Du ansprichst, Blurt, ist natürlich auch absichtlich inszeniert und von den Regierenden so gewollt. Mit Langeweile kann man das Volk in Sicherheit wiegen. Vor kurzem hat Heribert Prantl in der Süddeutschen diesbezüglich einen interessanten Kommentar geschrieben. Und diese Langeweile und die daraus resultierende Teilnahmslosigkeit ist ja auch hierzulande nichts Neues. Der Satz "Yes, we gähn" stammt, glaub ich, aus dem Wahlkampf 2009. Ich hab mir die Tage mal die Wahlbeteiligungen bei den Bundestagswahlen in den letzten vierzig Jahren angeschaut. Wusste gar nicht mehr, dass wir in den 70er Jahren Wahlbeteiligungen von über 90 (!) Prozent hatten. In den 80ern waren es auch noch weit über 80 Prozent.
Rückblickend habe ich immer das Gefühl, in den 80ern war unser kleines graues Leben dennoch viel mehr politisiert. NATO-Doppelbeschluss, Friedensbewegung, Gorleben, Startbahn-West, Wackersdorf, Tschernobyl etc. Wenn ich dran denke, dass wir uns als Schüler aus Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss nach der Pause "tot" auf den Boden gelegt haben, erscheint mir das heute fast lächerlich. Als 1982 das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt im Bundestag stattfand, fiel bei uns der Unterricht aus und wir durften im Klassenzimmer die TV-Live-Übertragung anschauen. Das war irgendwie total prägend.
Die politischen Themen sind ja heutzutage nicht ausgegangen, ganz im Gegenteil...Aber wir sind halt auch von Wohlstand zugeschi...., der sich wie Mehltau über uns legt. Müde sind wir geworden oder besser: gemacht worden.

Ja, Vio, ich weiß, wir sind alte Säcke...;-)
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Beitragvon BLURT » Mi 25. Sep 2013, 20:39

Tja, wir alten Säcke. Mir fallen bei dem Thema mehrere "Highlights" ein.
Muss 1974 gewesen sein, ich war also 14. Zweimal zu Wahlkampfveranstaltungen auf dem Domplatz mit meinem Vater zusammen. Er eher rechts, ich noch unentschlossen. Die eine Woche Willy Brandt, die nächste Franz Josef Strauß. Der Domplatz beide Male komplett überfüllt. Abendveranstaltungen versteht sich. Denn das war damals nichts für Teetrinker. Von den Reden hat man nicht viel verstanden. Es wurde gegrölt, gepfiffen und geschrien. und vor lauter Transparenten (Fahnen?) sah man die Redner kaum. Egal, Brandt war sehr heiser jedenfalls und Strauß mit Sicherheit schwer angetrunken. Und dichter Nebel hing über der Szene, weil alle haben geraucht. Ich fand das alles unheimlich politisch und ziemlich aufregend. Eine aus meiner eigenen Schule wurde zu jener Zeit auch der Schule verwiesen, weil sie sich geweigert hatte, ihren "Stoppt-Strauß"-Button abzulegen. Ungefähr das war die Zeit, von der an ich wusste, wo ich stand und zu stehen hatte. Ab jetzt ging es um Demokratie.
Zeitsprung. 1983 sind wir alle nach Bonn. Gegen die Nachrüstung. Na ja, was heißt alle. Aber allein von Regensburg gingen 17 Busse ab, wenn ich mich recht erinnere. In Bonn waren wir dann 400.000. War mit meiner damaligen Freundin da und kam mit ihr abends auch zurück in die elterliche Wohnung, wo mein Vater gerade seinen 50. Geburtstag feierte mit Freunden und Verwandten. Nachrichten schauen war damals dennoch Pflicht. Da wurde dann gerade der Generalsekretär der CDU, Heiner Geißler zitiert, der in unübertrefflichem Zynismus über die häßlichen Linken in Bonn herzog. Die Geburtstagsfeier meines Vaters artete dann dermaßen aus, dass meine Freundin heulend ins Bett ging und ich sicher einen Monat lang nicht mehr mit meinem Vater geredet habe. Zum Großteil der damals anwesenden Verwandten habe ich bis heute keinen Kontakt mehr. So war das damals. Vergleichsweise extrem, aber immerhin.
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