St. Pauli vs. SSV Jahn

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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Iarwain » Do 23. Nov 2017, 14:20

daredevil hat geschrieben:@ onki
Überprüf doch mal wann die von dir genannten Aktionen gestartet wurden!
Es gibt keine Aktion die du genannt hast die der FCSP vor dem "Patschinski Tor" unterstützt oder ins Leben gerufen hätte.
Die von dir genannten Aktionen sind aus meiner Sicht klar Teil des Marketings um sich als Verein der Linken und der offenen Gesellschaft etc. (gibt noch 100 weitere prägende Begriffe die man nennen könnte) aufzustellen.
Ich frag mich da halt oft ob die demnächst eine Partei anmelden oder ob sie ein Fussballclub bleiben. Es gibt viele Vereine die eine klare politische Positionierung vornehmen. Celtic oder Liverpool. Aber im Vergleich zu St. Pauli ist das ein Treppenwitz. Ich kenne keinen Verein im Profifussball bei dem die politische Einstellung derart Teil der angeblichen Vereinskultur ist. Ob das gut ist muss jeder selbst wissen. Ich hab dazu schon eine Meinung. Z. B. würde mich interessieren ob man noch FCSP Fan sein kann wenn man nicht die "Refugees welcome Fahne" schwingt und gegen den Kohleausstieg ist. Was ist wenn man da eine differenziertere Meinung hat? Kann man dann noch ins Stadion?
Im übrigen hat sich die Fanbase des FCSP natürlich auch stark verändert. Waren doch Ende der 80er und in den 90er Jahren viele sagen wir mal "Punks" oder "Aussteiger" mit dem Motto "Arbeitsschei und Spass dabei" als Fans mit dabei. Das ist jetzt natürlich eine Schätzung aber ich würde sagen dass die Beschäftigungsquote des damaligen "Publikums" bei maximal 50% lag. Das politische Fundament war da nicht sehr tragfähig. Das meistgetragene Banner war das große A! Seit den 2000er Jahren ist der Verein aber Hip und es kamen viele alternative politisch aktivere Akademiker zu dem Club weil es wohl ein Symbol für das Rebellentum darstellte. Gepaart mit dem Austausch des Managements sowie Verkauf und Rückkauf von Vermarktungsrechten vollzog sich eine neoliberale marktwirtschaftliche Entwicklung in der Chefetage.
Insgesamt meine ich dass die Aktionen die du aufzählst möglicherweise deiner politischen Einstellung entsprechen und du es deshalb vielleicht auch als gut empfindest. Meiner Meinung nach sind es aber nichts anderes als PR und Marketingaktionen um die Marke FCSP zu schärfen und eben Menschen dieses pol. Spektrums anzusprechen. Daher die Frage unterliegst du nicht vielleicht einer PR Propaganda. Ich geh noch weiter. Das ist ein Trojaner. Mit Rettig hätte ich gerne mal ein ehrliches Gespräch.

Gut fand ich die Kritik an der Regensburger Immobilien Korruptionsaffäre vor Beginn der 2. HZ. Wohnbau Amigos, Ghost is watching you, St. Pauli Code durchsetzen. So in etwa. Habs fotographiert.
Haben natürlich vollkommen recht mit der Kritik. Allerdings müssen die nicht 730 km Richtung Süden schauen. Ein Blick in die Hafen City reicht schon dann könnten sie mal einen größeren Sack voll Flöhe aufreissen. Da wurden zig Milliarden an Konzerne umverteilt. Und das alles vor der Haustür. Über die Elbphilharmonie red ich gar nicht weil das nur von dem wirklichen Tatgeschehen ablenken würde. Da gab es zwar geschriebenen Widerstand. Aber die Bürgerschaft von Hamburg hat mit der Linken in der Sternschanze eben schon seit Jahren einen Status Quo abverhandelt und eine Art der autonomen Selbstverwaltung oder zumindest "Mitverwaltung" eingeräumt und im Gegenzug dafür ein Stillhalten in dieser Frage erlangt. In den 80er Jahren hätten da jedes WE die Autos gebrannt wenn diese Bauprojekte beschlossen worden wären. Warum ist da nichts passiert? Da wurde 500 m Luftlinie von der Sternschanze ein Stadtviertel aus Beton und Glas hochgezogen in dem nun die größten Anwaltskanzleien Versicherungsgesellschaften und Banken ihr Zuhause haben.
Und das alles ging ohne Antifa Proteste ab? Kaum zu glauben. Da hat sich doch was verändert. Ist jetzt zwar OT und hat mit Fussball nichts zu tun jedoch mit der Entwicklung des FCSP schon.

Apropos: Auf St. Pauli gibt es eine relativ heftige Auseinandersetzung zwischen den "normalen" Anhängern und den Ultras. Diese sind da nicht so gerne gesehen. Es ist ein fremdeln. Unterstelle mal dass die Ultras den "normalen" Fans zu faschistische Züge haben. Dieses ganze Einheitsklamottentum passt denen denke ich nicht. Also der Riss geht schon durch die Anhängerschaft.


Bei dem genannten Transpi ging es um die ESSO-Häuser in St. Pauli, die von einer bayrischen Immobilienfirma gekauft worden sind.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon daredevil » Do 23. Nov 2017, 15:28

@ Iarwain
Danke.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Hille » Do 23. Nov 2017, 15:29

Also wenn ich die Prämisse annehme (was ich nicht ohne weiteres tue), dass dieses soziale Engagement bzw. die von onki angesprochenen Aktionen "nur" Marketing zur Stärkung der Marke ist, was heißt das dann? Was wäre denn dann besser? Lieber gar kein soziales Engagement als ein falsches? ( :D ) Ich sehe einfach nichts falsches daran, wenn beides geht. Und woher möchtest du denn so genau wissen, dass es da "nur" ums Marketing geht?
Und was die "Konservativen" angeht, die nicht St. Pauli Fan sein dürfen (mal abgesehen davon kann man auch eine differenzierte Meinung haben und trotzdem für den Kohleausstieg sein...und ne Refugees welcome Fahne haben...): ich bin zwar kein St. Pauli Fan, aber warum sollten mich die Befindlichkeiten von konservativen Wählern interessieren? Ich bin in Bayern aufgewachsen und seit ich mich erinnern kann hat sich noch nie ein Konservativer auch nur einen Dreck um meine Befindlichkeiten gekümmert. Bin ja auch ein langhaariger, haschgiftspritzender, stromgitarrenspielender Bombenleger und so. Warum sollte das also irgendeinen linken Anhänger von St. Pauli interessieren, wies den armen Konservativen dabei geht?
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon daredevil » Do 23. Nov 2017, 15:50

Hille hat geschrieben:Also wenn ich die Prämisse annehme (was ich nicht ohne weiteres tue), dass dieses soziale Engagement bzw. die von onki angesprochenen Aktionen "nur" Marketing zur Stärkung der Marke ist, was heißt das dann? Was wäre denn dann besser? Lieber gar kein soziales Engagement als ein falsches? ( :D ) Ich sehe einfach nichts falsches daran, wenn beides geht. Und woher möchtest du denn so genau wissen, dass es da "nur" ums Marketing geht?


Kann man so sehen. Keine Frage. Ist auch nichts anrüchiges daran. Nur sollte man dann es dann mit dem Kult sein lassen.

Und was die "Konservativen" angeht, die nicht St. Pauli Fan sein dürfen (mal abgesehen davon kann man auch eine differenzierte Meinung haben und trotzdem für den Kohleausstieg sein...und ne Refugees welcome Fahne haben...): ich bin zwar kein St. Pauli Fan, aber warum sollten mich die Befindlichkeiten von konservativen Wählern interessieren? Ich bin in Bayern aufgewachsen und seit ich mich erinnern kann hat sich noch nie ein Konservativer auch nur einen Dreck um meine Befindlichkeiten gekümmert.
[/quote]

Ja das mag sein dass das gesellschaftlich so war. Jedoch hattest du beim Jahn mit deiner Einstellung bisher keine Probleme gehabt. Und du hättest auch beim FCB oder Nürnberg keine gehabt. Ich will damit sagen dass es von Vereinen keine Ausgrenzung aufgrund politischer Einstellung geben sollte. Denn es gibt keine GUTE politische Einstellung die sowas rechtfertigt. Es war immer die Argumentation der Ausgrenzenden dass sie für DAS GUTE einstehen und die Handlungen dadurch ja gerechtfertigt wären. Damit wär ich vorsichtig. Denn wo ist dann der Unterschied?

Hille hat geschrieben:Bin ja auch ein langhaariger, haschgiftspritzender, stromgitarrenspielender Bombenleger und so.


Kann ich bestätigen! :wink: Nur Spass!

Hille hat geschrieben: Warum sollte das also irgendeinen linken Anhänger von St. Pauli interessieren, wies den armen Konservativen dabei geht?
Die "Spaltung" der Gesellschaft gibts schon seit Jahrzehnten überall.


Siehe zuvor. Genau das ist das Problem. Wo ist dann der Unterschied zwischen den Gruppen. Aber vor allem: Die Spaltung sollte halt nicht von Fussballvereinen ausgehen oder von ihnen vorangetrieben werden. Wie gesagt hätte ich gern dass ein Verein eine Basis ist auf der sich Menschen verschiedenen Glaubens, Einkommens, gesellschaftlicher Stellung, Alters, politischer Einstellung etc. zusammenfinden und eine Gemeinsamkeit entwickeln. Und das sehe ich halt mit deiner harten Argumentation (so nach dem Motto: Jetzt haben wir hier endlich mal das Sagen hat ja eh lang genug gedauert und da scheiß ich mir nix drum was die anderen denken; die sollen sehen wo sie bleiben) nicht.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Hille » Do 23. Nov 2017, 16:03

daredevil hat geschrieben:
Siehe zuvor. Genau das ist das Problem. Wo ist dann der Unterschied zwischen den Gruppen. Aber vor allem: Die Spaltung sollte halt nicht von Fussballvereinen ausgehen oder von ihnen vorangetrieben werden. Wie gesagt hätte ich gern dass ein Verein eine Basis ist auf der sich Menschen verschiedenen Glaubens, Einkommens, gesellschaftlicher Stellung, Alters, politischer Einstellung etc. zusammenfinden und eine Gemeinsamkeit entwickeln. Und das sehe ich halt mit deiner harten Argumentation (so nach dem Motto: Jetzt haben wir hier endlich mal das Sagen hat ja eh lang genug gedauert und da scheiß ich mir nix drum was die anderen denken; die sollen sehen wo sie bleiben) nicht.


Da bin ich im Moment vielleicht generell ein bisschen unentspannt, das gebe ich gerne zu. Das dürfte aber auch nicht unverständlich sein, wenn man sich die augenblicklichen politischen Umstände so ansieht... Ich hätte gerne ganz grundsätzlich eine Umgebung in der sich Menschen verschiedenen Glaubens (...), da simmer eh beinander. :D
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon daredevil » Do 23. Nov 2017, 17:49

Hille hat geschrieben:
daredevil hat geschrieben:
Siehe zuvor. Genau das ist das Problem. Wo ist dann der Unterschied zwischen den Gruppen. Aber vor allem: Die Spaltung sollte halt nicht von Fussballvereinen ausgehen oder von ihnen vorangetrieben werden. Wie gesagt hätte ich gern dass ein Verein eine Basis ist auf der sich Menschen verschiedenen Glaubens, Einkommens, gesellschaftlicher Stellung, Alters, politischer Einstellung etc. zusammenfinden und eine Gemeinsamkeit entwickeln. Und das sehe ich halt mit deiner harten Argumentation (so nach dem Motto: Jetzt haben wir hier endlich mal das Sagen hat ja eh lang genug gedauert und da scheiß ich mir nix drum was die anderen denken; die sollen sehen wo sie bleiben) nicht.


Da bin ich im Moment vielleicht generell ein bisschen unentspannt, das gebe ich gerne zu. Das dürfte aber auch nicht unverständlich sein, wenn man sich die augenblicklichen politischen Umstände so ansieht... Ich hätte gerne ganz grundsätzlich eine Umgebung in der sich Menschen verschiedenen Glaubens (...), da simmer eh beinander. :D


Sig i a so. Und beim stromgitarrenspuin ( :wink: ) erst recht!! :mrgreen:
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon onki » Do 23. Nov 2017, 18:15

daredevil hat geschrieben:@ onki
Überprüf doch mal wann die von dir genannten Aktionen gestartet wurden!
Es gibt keine Aktion die du genannt hast die der FCSP vor dem "Patschinski Tor" unterstützt oder ins Leben gerufen hätte.
Die von dir genannten Aktionen sind aus meiner Sicht klar Teil des Marketings um sich als Verein der Linken und der offenen Gesellschaft etc. (gibt noch 100 weitere prägende Begriffe die man nennen könnte) aufzustellen.
Ich frag mich da halt oft ob die demnächst eine Partei anmelden oder ob sie ein Fussballclub bleiben. Es gibt viele Vereine die eine klare politische Positionierung vornehmen. Celtic oder Liverpool. Aber im Vergleich zu St. Pauli ist das ein Treppenwitz. Ich kenne keinen Verein im Profifussball bei dem die politische Einstellung derart Teil der angeblichen Vereinskultur ist. Ob das gut ist muss jeder selbst wissen. Ich hab dazu schon eine Meinung. Z. B. würde mich interessieren ob man noch FCSP Fan sein kann wenn man nicht die "Refugees welcome Fahne" schwingt und gegen den Kohleausstieg ist. Was ist wenn man da eine differenziertere Meinung hat? Kann man dann noch ins Stadion?
Im übrigen hat sich die Fanbase des FCSP natürlich auch stark verändert. Waren doch Ende der 80er und in den 90er Jahren viele sagen wir mal "Punks" oder "Aussteiger" mit dem Motto "Arbeitsschei und Spass dabei" als Fans mit dabei.

Sicher, dass kann man alles anführen (wenn man will)...
Geändert hat sich gesellschaftlich viel in den letzten Jahrzehnten (auch die Antifa, Autonomen, Hausbesetzterszene und und und...)... da braucht man jetzt nicht gerade bei der FCSP Fanbase das Anprangern anfangen...

In der Zeit wo der FCSP quasi die von Dir genannten Hardcore-Ansprüche (an einen Fußballverein!) erfüllte, war bei den meisten anderen Vereinen in dieser Richtung erstmal GAR NIX... (und teilweise heute nur Lachhaftes)
... das nurl zur Sondierung und Einordnung von dem was war und was ist.

Ich habe absichtlich keine Vergangenheits-Projekte genannt, sondern nur Dinge, die aktuell noch am Laufen sind, da einfach besser nachvollziehbar und auch den aktuellsten Stand der Dinge darstellend...

Und wenn man jetzt her geht und sagt... dieses und jenes und dies und das und das und hier ist alles langweiliger Pseudokram weil ja alles "Teil des Marketings" ist - dann ist das zwar eine legitime Bewertung (bzw. Abwertung) - jedoch nix was ich unterschreiben möchte.

"Tue Gutes und sprich darüber" ist ein Motto das heute mehr denn je seine Gültigkeit hat.
Und wenn ein Verein z.B. in seinen Räumlichkeiten eine offizielle Anlaufstelle für Flüchtlinge zur rechtlichen Beratung einrichtet und hierüber hunderte von realen Fällen abwickelt... dann ist das erstmal ein fetter FAKT und zwar in erster Linie für die direkt Betroffenen! Und erst in zweiter oder dritter Linie ein geschickter "Marketing-Zug", wenn überhaupt. Denn solche Tatsachen auf der Vereins-Website zu erwähnen ist erstens moralisch legitim und zweitens durchaus berechtigt.

Da wird immer allzu gerne und schnell mit vereinten Kräften auf das FCSP Umfeld eingedroschen, noch dazu mit der Kommerz-Keule...

Ich halte es da gerne immer nach folgender Faustregel.
Die die gar nix oder wenig machen, sollten sich mit Kritik oder schnippischer Abwertung denen gegenüber, die Vieles tun doch etwas zurückhalten bzw. komplett auf Sendepause gehen...

Das erinnert mich immer an Michael Schumacher.
Als der vor zig Jahren von vielen Moralaposteln abgewertet wurde, weil er kundgetan hatte 10 Millionen Euro zu spenden.
"10 Mio. Euro ist ja gar nix, bei dem seinem Einkommen..." blablabla...
Aber wie gehabt:
10 Mio. Euro sind für die Betroffenen erstmal ein FAKT!
Ganz im Gegensatz zu den leeren Phrasen der Moralapostel...

Es gibt einige Vereine, die schnell ein soziales Projekt ins Leben rufen, weil ihnen der Marketing-Fuzzi eingeflüstert hat, das mache sich gut auf der Website und auf Hochglanz-Prospekten... da ist rein gar nix aus einer einschlägigen Vereinshaltung heraus gewachsen, sondern ein pures Plan-Projekt (auf dem Reissbrett entstanden) aus dem Boden gestampft worden.
Von solchen Marketing-Mechanismen oder -Reflexen ("Hilfe, wir brauchen auch schnell ein Soziales Projekt!") ist der FCSP bitteschön meilenweit entfernt!

Dass es hier sehr viele Leute gibt, die sich aus Gründen der schicken Alternativ-Coolnes gerne zur FCSP-Peripherie gesellen ist keine große Überraschung. Dass nicht jeder FCSP-Fan ein bedingungsloser, voll engagierter Autonomer ist wohl auch nicht... Selbst FCSP-Ultras können von Fanszene/Stadion-Konsens nur träumen...

Undifferenzierte "Pseudo"-Vorwürfe gegenüber dem direkten FCSP Umfeld kann man allerdings nicht einfach so kommentarlos stehen lassen.

Und ja, Du siehst das richtig.
Wenn man mit dem Prinzip von "Refugees welcome" "nix anfangen" kann, dann hat man ein generelles Problem und das nicht nur bei St. Pauli...
Wir leben nämlich per Definition in einer liberalen Demokratie. Besonderes Augenmerk liegt hier auf "liberal"... denn das schließt den Schutz von Minderheiten mit ein. Und damit sind nicht nur Asylsuchende gemeint, sondern auch Homosexuelle, Behinderte, Andersgläubige, Sinti/Roma etc. ...
In anderen (nicht liberalen) Demokratien, in denen man "nix anfangen" kann mit solchen Minderheiten, werden diese nämlich ausgegrenzt bis verfolgt...
Zuletzt geändert von onki am Do 23. Nov 2017, 18:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon daredevil » Do 23. Nov 2017, 18:30

Ob wir in einer liberalen Demokratie leben ist m. M. nach Ansichtssache. Da können wir gerne mal drüber philosophieren bei einem Bier.
Ich habs ja nicht so mit einer nicht niedergeschriebenen gesellschaftlichen Moral-"Gesetzgebung" die von irgendwelchen Celebreties und NGO's in die Köpfe der Menschen gemeißelt wird. Ich habs mehr mit dem Rechtsstaat und dem Recht auf Recht! Ist finde ich immer ein super Bewertungsmaßstab vor allem weil er demokratisch verabschiedet und beschlossen wurde. Und warum sollte jemand der das kategorische "Refugees welcome" nicht mittragen will ein Problem mit einem FUSSBALLVEREIN haben. Dann ist doch etwas grundsätzliches falsch. Man stelle sich vor dass jeder der keine rechtsnationalen Positionen vertritt ein Problem mit dem Verein Dynamo Dresden haben muss. Das klingt ja nach den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte als man nicht mal mehr eine Gesinnungspolizei patrouillieren lassen mussten sondern das von der Gesellschaft kostenfrei erledigt wurde. Das ist aber jetzt wirklich OT.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Ronni » Do 23. Nov 2017, 18:42

Stimme Onki in allen Punkten zu. Verstehe auch nicht, warum sollte man sich über den Kult, den St. Pauli verbreitet, aufregen? Es gab Zeiten, da war jeder froh, dass St. Pauli als Kult Club die jeweilige Liga mit seinen sangesfreudigen Fans bereicherte. Das der ehemalige Kult Club aus seinem Kult heute eine Webestrategie ableitet, finde ich weniger schlimm, als die Werbereisen, den Merchandising Wahn eines FCB. Dieser Verein ist ein Club der Bonzen und Geschäftemacher, der Steuerbetrüger und sonstigen Betrüger, das törnt mich viel mehr ab, als die Strategie des Fußball Clubs St. Pauli. Ich habe viele nette St. Paulianer kennen gelernt, die liegen mir bei weitem mehr, als die FCB - Menschen, die vereinzelt auch nett sein mögen, die große Masse sehe ich mir allerdings lieber von weitem an.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Sheriff » Do 23. Nov 2017, 18:46

Das Zusammenhang von Fussball und gesellschaftlichen Engagement besteht darin, dass Fussball ein gemeinsames Erregungspotential hat, das unterschiedlichen Schichten, Milieus, Kulturen, Ethnien, sexuelle Orientierungen etc. verbindet, unter einer Vereinsfahne sozusagen. Deswegen ist es auch grundsätzlich nur begrüßenswert, Fankultur in einen größeren kulturellen Zusammenhang zu stellen, nämlich einen aufklärerischen, toleranten, liberalen. Ich würde mir das für den Jahn auch sehr wünschen, die Jahnfans-Gegen-Rassismus-Initiative war ja so ein Anstoss, scheint leider bisschen zu versanden. Pauli ist da durchaus beispielhaft, aber halt etwas in der gestrigen Antifa-Ästhetik und Ideologie verhaftet, kann man natürlich nicht pauschalisieren, die sozialen Initiativen - danke Onki für die Hinweise dazu, wusste ich nicht, dass es das in dieser starken Ausprägung gibt - sind ohne jede Frage super und vorbildich. Ich bin nur als Bayer und Katholik ein bisschen ein gebranntes Kind, die Caritas ist ja auch toll und ich hab auch nichts gegen christliche Werte, ganz und gar nicht, aber diese Attitüde, bessere Menschen zu sein, ging mir in den Katholikenkreisen schwer auf die Nerven, Ähnliches vermeine ich in Kultclubkreisen auch wahrzunehmen (Kult und Kultus hängt ja auch sprachlich eng zusammmen), von daher hab ich halt bisschen zwiespätige Gefühle. Und Bayern ist im Übrigen total zwiespältig, der gute Herbert Achternbusch hat es mal auf den Punkt gebracht: 60 Prozent sind Anarchisten und 60 Prozent wählen die CSU. Deswegen ist es wahrscheinlich auch schwer, hier bei uns politisch etwas zu bewegen oder auch nur politische bzw. sozial engagierte Faninitiativen auf den Weg zu bringen. Aber ganz aufgeben sollten wir den Gedanken noch nicht. Und wenn wir hier so diskutieren, über den Fussballtellerrand hinaus, ist ja auch schon was wert.
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon onki » Do 23. Nov 2017, 19:52

daredevil hat geschrieben:Und warum sollte jemand der das kategorische "Refugees welcome" nicht mittragen will ein Problem mit einem FUSSBALLVEREIN haben. Dann ist doch etwas grundsätzliches falsch. Man stelle sich vor dass jeder der keine rechtsnationalen Positionen vertritt ein Problem mit dem Verein Dynamo Dresden haben muss. Das klingt ja nach den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte als man nicht mal mehr eine Gesinnungspolizei patrouillieren lassen mussten sondern das von der Gesellschaft kostenfrei erledigt wurde. Das ist aber jetzt wirklich OT.

Da hast Du mich aber falsch verstanden.
Sicherlich wird ein Pauli-Fan, der Flüchtlinge nicht mal willkommen heißen mag, ein Problem damit haben, wenn sich sein Verein und der Großteil der kompletten Fanbase massivst in dieser Thematik engagiert...
Ein solcher Fan müsste halt dann im Stadion gegen einschlägige Aktionen Stunk machen. Viel Spaß damit am Millerntor 8)

Wir hier haben z.B. eher ein umgekehrtes St. Pauli...
Hier gäbs wahrscheinlich eher Diskussionsbedarf/Stress, wenn man ein "Refugees"-Banner hoch hält...
:shock:
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Re: St. Pauli vs. SSV Jahn

Beitragvon Vilshofen » Do 23. Nov 2017, 20:08

Vielen Dank onki für deine ausführlichen Informationen zu den Aktionen St.Paulis. Volle Zustimmung!
Zu den Marketing-Vorwürfen möchte ich noch anmerken, dass es vom Ergebnis her gesehen doch völlig wurscht ist, ob ein Vorhaben auch mit eigennützigen Zwecken verbunden ist (was im Fall von St.Pauli sehr die Frage ist.)
Beispiel: Wenn eine Bundesregierung aus Imagegründen effektive Maßnahmen im Bereich der Energiewende beschließt, so sind für mich die
Folgen positiv zu bewerten - auch wenn keine echte Überzeugung dahinterstehen sollte.
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